Klarphos und HCOB – Interview mit Jens Thiele
Das „Originate-to-Share“-Modell findet bei europäischen institutionellen Anlegern zunehmend Anklang, da es Zugang zu Unternehmens- und Infrastrukturkredite in Bankqualität bietet, ohne die Komplexität traditioneller Fondsstrukturen. Wir sprachen mit Jens Thiele, CIO, um herauszufinden, was dieses Modell auszeichnet.
Das „Originate to Share“-Modell, das Sie bei HCOB umsetzen, ist in Europa noch relativ neu. Wie würden Sie den Kerngedanken beschreiben?
J.T. Im Kern ermöglicht das Modell institutionellen Anlegern den Zugang zu Unternehmens- und Infrastrukturkrediten auf Bankenniveau, ohne dass sie selbst eine Kreditvergabeplattform auf Bankenniveau aufbauen müssen. Im Gegensatz zu einem herkömmlichen Poolfonds, der unabhängig vom Transaktionsfluss der Bank operiert, ist unsere Struktur direkt in die Akquisitionsplattform von HCOB integriert. Die Bank akquiriert, strukturiert und bewertet Kredite nach ihren eigenen Risikostandards; entscheidend ist dabei, dass sie den Großteil jeder Transaktion in ihrer eigenen Bilanz behält. Nur ein Teil wird über die Managed-Account-Struktur mit den Anlegern geteilt. Dies ist kein Vertriebsmodell, sondern ein Co-Investment-Modell, das auf einer echten Interessenangleichung basiert. Klarphos bietet dann innerhalb eines ring-fenced Managed Accounts Portfoliomanagement, Governance, Berichterstattung und Servicing auf institutionellem Niveau.
Der Unterschied ist einfach, aber entscheidend: Anleger investieren gemeinsam mit einer regulierten Bank, die über fundierte Branchenkenntnisse verfügt – ohne Blind Pools, mit vollständiger Transparenz bei jedem Engagement und mit der Disziplin einer Bank, kombiniert mit der Flexibilität eines separat verwalteten Kontos.
Was ist für eine Bank, die dies als Investor in Betracht zieht, der entscheidende Vorteil gegenüber einer herkömmlichen Fondsanlage?
J.T. Drei Aspekte stechen immer wieder hervor. Erstens: eine echte Übereinstimmung mit einem regulierten Kreditgeber. Banken schätzen es, gemeinsam mit einer anderen Bank zu investieren, die dieselbe Kreditvergabedisziplin und Risikosteuerung anwendet, die sie auch intern erwarten würden. Zweitens: Individualisierung und Kontrolle: Ein verwaltetes Konto ermöglicht es Anlegern, Sektorgrenzen, geografische Ausrichtung, Positionsgrößen, Renditeziele, ESG-Anforderungen und Konzentrationsregeln festzulegen, sodass sich das Portfolio nahtlos in ihre internen ALM- und Kapitalplanungsrahmen einfügt. Und drittens: Kapitaleffizienz, vorhersehbare Cashflows, stabile RWA-Behandlung, begrenzte NAV-Volatilität bei voller IFRS-9-Kompatibilität sowie keine Überraschungen hinsichtlich der Hebelwirkung auf Fondsebene. Das Ergebnis ist ein übersichtlicherer, kapitaleffizienterer Weg in die Unternehmens- und Infrastrukturfinanzierung als bei den meisten Fondsformaten im PE-Stil.
Es besteht eine klare Trennung zwischen HCOB als Originator und Klarphos als Vermögensverwalter. Wie funktioniert das in der Praxis und warum ist dies eine Stärke?
J.T. Diese Trennung ist beabsichtigt und entspricht den Best-Practice-Grundsätzen der Unternehmensführung bei hochentwickelten Kreditplattformen. HCOB akquiriert Transaktionen, führt die finanzielle und rechtliche Due Diligence durch, strukturiert die Transaktion und behält den Großteil jeder Transaktion in seiner eigenen Bilanz, wobei nur ein Teil an Investoren weitergegeben wird. Diese bedeutende Eigenbeteiligung ist kein Zufall; sie ist ein Kernmerkmal des Modells und die Grundlage für die von den Investoren geschätzte Interessenübereinstimmung. Klarphos hingegen agiert völlig unabhängig: Es unterhält einen eigenen Investitionsausschuss und eigene Kontrollfunktionen, genehmigt oder lehnt Geschäfte ausschließlich auf der Grundlage der Mandatskriterien ab und ist strukturell vom Origination-Prozess von HCOB getrennt. Dies bedeutet, dass Investoren von einer wirklich unabhängigen Aufsicht über die Vermögensverwaltung profitieren.
Wir betrachten dies als eine bewusst vorgenommene klare Rollenteilung: Kreditprüfung und -vergabe auf der einen Seite, Portfolioaufbau und Investorenbetreuung auf der anderen. Diese Unterscheidung ist von entscheidender Bedeutung. Ein Großteil des Nichtbanken-Kreditmarktes konzentriert sich mittlerweile zu sehr auf die Kreditvergabe und die Akquise von Vermögenswerten, was genau diese Grenze verwischen kann. Unser Modell sorgt dafür, dass sie klar bleibt.
Anleger betonen immer wieder, dass sie dadurch das Beste aus beiden Welten erhalten: eine eigene Akquise, ohne dabei die Kontrolle oder Transparenz zu verlieren.
Regulierte Institute legen großen Wert auf Compliance, Risikotransparenz und klare Betriebsabläufe. Warum eignet sich dieses Modell besonders gut für diese Zielgruppe?
J.T. Regulierte Anleger wie Banken, Versicherungen und Pensionskassen benötigen Strukturen, die berechenbar, transparent und auf Governance ausgerichtet sind. Dieses Modell erfüllt alle drei Anforderungen. Jedes Engagement, jede Vereinbarung, jede Garantie und jeder Cashflow ist einsehbar. Die gesamte Kette von der Origination bis zur Überwachung folgt den Standards einer deutschen Bank und eines regulierten Vermögensverwalters. Jeder Investor verfügt über eine eigene Zweckgesellschaft (SPV) und ein eigenes Portfolio, sodass kein Vermischungsrisiko besteht. Und da es keine Hebelwirkung auf Fondsebene oder volatile Marktwertbewertungen gibt, verhält sich die Struktur so, wie interne Risikokomitees es von externen Investitionen erwarten. Gleichzeitig vermeiden Investoren den operativen Aufwand, intern Kreditprüfungsabteilungen oder Infrastrukturteams aufzubauen.
Und schließlich: Wenn Sie direkt mit dem Finanzvorstand oder dem IT-Leiter einer anderen Bank sprechen würden, wie würde Ihr Verkaufsgespräch aussehen?
J.T. In einem Satz: Sie erhalten Zugang zu Unternehmens- und Infrastrukturkrediten in Bankqualität, ohne Personal aufstocken, ohne neue Infrastruktur aufbauen und ohne Blind-Pool-Risiken eingehen zu müssen.
Der entscheidende Vorteil besteht darin, dass Sie gemeinsam mit einer Bank investieren, die über langjährige Erfahrung im Bereich Unternehmens- und Infrastrukturfinanzierung verfügt, und dabei von einem individuell anpassbaren und transparenten Engagement profitieren, das sich nahtlos in Ihre Bilanzstrategie einfügt. Sie investieren gemeinsam in Transaktionen, bei denen HCOB selbst die Mehrheitsbeteiligung hält, sodass die Anreize vom ersten Tag an vollständig aufeinander abgestimmt sind. Sie profitieren von einer unabhängigen Aufsicht und institutioneller Governance durch den separaten Investitionsausschuss von Klarphos, Sie lagern die Akquise und Überwachung an Spezialisten aus, behalten aber dennoch die volle Kontrolle über Ihr Mandat. Und vor allem erhalten Sie Zugang zu Vermögenswerten, die normalerweise nie die Bilanz einer Bank verlassen. Für viele Institutionen ist diese Kombination auf andere Weise kaum zu erreichen.
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